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Event Pics - Interview Chris von Rohr, Krokus (Basel, 05.11.2014)

Interview mit Chris von Rohr von Krokus (Basel, 05.11.2014)

Interviewpartner: Chris von Rohr, Krokus

Interviewer: Daniel Strub

Photograph: Yves Tschopp

Ort: Hotel Hilton, Basel

 

schwarzeliste: Ihr spielt am Donnerstag, 06.11.14, an der Baloise Session, wie gut kennst Du dieses Festival?

Chris: Ich habe es immer verfolgt, bin in der Jury vom Lifetime-Award und vom Hören sagen, aber selber noch nie dabei gewesen. Wir freuen uns extrem auf Basel, da wir schon lange nicht mehr hier gespielt haben. Mir ist es völlig egal ob dort Tischchen oder Lämpchen sind. Wir wissen schon wie wir die Fans nach vorne bringen.

schwarzeliste: Habt Ihr diesbezüglich einen Plan?

Chris: Nein. Eher, dass wir noch härter spielen – richtig gehend voll zwischen die Hörner. Wir machen kein Spezialset  - unplugged oder sowas. Wir setzen fort wie wir europaweit spielten. Diese Kost wird auch den Baslern munden. Da bin ich mir sicher.

schwarzeliste: Dann kann man sich auf den Auftritt freuen.

Chris: Ja, es gibt kein Kuschelabend.

schwarzeliste: Welchen Künstler würde der Privatmann von Rohr an der diesjährigen Baloise Session sehen/hören wollen und warum?

Chris: Ich bin natürlich ein grosser Fan von Dr. John, den liebe ich über alles. Wie er das Piano, vor allem mit der linken Hand, spielt ist eine Riesensache. Ich bin ein Riesenfan – seit ewig.

schwarzeliste: Somit wirst Du bei seinem Konzert am Sonntag dabei sein?!?

Chris: Ja, ich probiere es.

schwarzeliste: Du hast bei einer Schweizer Casting Show mitgemacht und x Stimmen gehört, ist es gutes Konzept auch Rockstimmen zu entdecken?

Chris: Das war eine Phase gewesen in meinem Leben, wo ich den Pool und den Garten bezahlen musste. Das habe ich getan, da ich zu der Zeit in keiner Band spielte und nichts anderes zu tun hatte. In erster Linie sind die Casting Shows gut fürs Fernsehen. Für die Musiker ist selten jemand dabei, der danach durchstarten kann. Danach hast Du diesen Casting Stempel, den alle schnell wieder loswerden wollen. Darum würde ich es heute nicht mehr machen. Es war zu der Zeit noch frisch und es hat Spass gemacht und ich verdanke dem schon einiges was Popularität anbelangt.

Der Spruch „Meh Dreck“ habe ich in den siebziger Jahren im Studio bereits benutzt. Es wurde dann ein Riesenwort – war ok, aber danach musste ich die Reissleine ziehen um nicht in die Schweizer Musikgeschichte als Juror einzugehen. Trotz Angeboten wollte ich damit aufhören.

schwarzeliste: Wie siehst Du die Zukunft der Schweizer Hard Rock/Metal-Szene? Interessierst Du Dich, kommt was nach Gotthard, Krokus, Shakra?

Chris: Ich setze mich damit schon auseinander – allgemein die Zukunft der Musikszene ist ungewiss. Was die Zukunft bringt wissen wir alle nicht. Es ist eine gesundende Reinigung am Laufen. Früher konnte jeder „Dubel“ eine CD rausbringen – heute kauft praktisch niemand mehr CD’s. Du musst es also live bringen, das Handwerk auf der Bühne live gut können. Das finde ich eine gute Entwicklung, aber es ist natürlich, wenn Du keine Legendenband bist, für junge Bands schwierig Tickets zu verkaufen und einen Veranstalter zu motivieren. Du musst verdammt gut, also gut sein reicht nicht mehr – extrem charismatisch, super Songs haben  und super Show zeigen.    

schwarzeliste: Hast Du diesbezüglich eine Band auf dem Radar, welche in die Fußstapfen von Gotthard, Krokus, Shakra treten könnte?

Chris: Ich arbeite mit Shakra zusammen, habe meine Augen und Ohren offen, aber das Problem ist bei Schweizer Bands oft, dass Sie zu viel Plan B haben. Und so wie Krokus und andere gestartet sind, darfst Du keinen Plan B haben. Es gibt kein Plan B! Entweder bist Du von Herzen Musiker, hast das Virus und nicht nur ein Jacke die Du abstreifst bei einem neuen Job. Deswegen müssen mir neue Bands beweisen, dass Sie Musiker sind und wollen.

schwarzeliste: Bei Fox involviert …….

Chris: Mark Fox macht seinen Job auch gut. Es ist immer was in Bewegung. Mal sehen was das nächste Jahr bringt. Ich helfe da wo ich kann, bei denen die Talent haben und wo es auch wirklich wollen!

schwarzeliste: Man sieht Dich ab und an im Kofmehl als Gast, welche Konzerte interessieren Dich oder gehst Du mehr hin wegen Freunden?

Chris: Ich gehe oft an Konzerte ins Kofmehl, da es praktisch unser Wohnzimmer ist – zwischendurch proben wir dort und haben unser Live-Album (Anm.: Long Sick Goes Boom – Live from the House of Rust; VÖ: 2014) aufgenommen. Ich gehe gerne vorbei, wenn eine interessante Band spielt. Auch weil es sehr nahe ist. Selbst mit dem Fahrrad wäre ich in rasch dort. Ich gehe wegen Musik schauen, Freunde besuche ich privat.

schwarzeliste: Was hat sich gegenüber den Tourneen in den Achtziger zu heute verändert, Ihr wart  letzthin europaweit auf Tour? Vor- und Nachteile?

Chris: Du musst grundsätzlich gute Arbeit abliefern und so auf der Bühne überzeugen, dass Dich Veranstalter weiterempfehlen. Deswegen geht es bei Krokus seit 2008 (Anm.: Reunion) wieder ab. Dies ist wie bei Status Quo, Deep Purple oder vergleichbaren Bands – entweder ist das Feuer erloschen oder die Musiker sind mit Herzen dabei. Und das Ganze muss sich rumsprechen.

Bei uns ist dies immer wie besser und wir gehen vermutlich im nächsten Jahr in die Staaten und in zwei Wochen nach England. Die Band ist am Leben und tönt wie Sie muss. Wir machen sicher nicht mehr den Fehler, dass wir monatelang auf Tour sind und dann halb Tod nach Hause kommen.

schwarzeliste: A pro pos live - Rihanna trug bei Ihrer letzten Tour ein Krokus T-Shirt („Midnite Maniac“).

Chris: Wir wissen nur, dass Ihr Gitarrist Nuno Bettencourt (Anm: Gitarrist der Band Extreme) Ihr das T-Shirt vermutlich aushändigte. Obwohl das viele Leute nicht glauben werden, es war kein strategischer Werbegag von uns. Da es Ihr gefiel, zog Sie es an und wir waren wie Du darüber erstaunt. Seit dem ist es unser bestverkauftes T-Shirt. Das ist der Wahnsinn und gefällt uns natürlich. Es ist toll, dass auch „Chicks“ in diesem Alter unsere Musik cool finden. Hard Rock ist ein etabliertes Genre und Rihanna mag es.

schwarzeliste: Mit Neuzugang Flavio (Mezzodi) und Wiedereinsteiger Mandy (Meyer) ging meines Erachtens ein Ruck durch die Band, der vor allem live spürbar ist. Wie siehst Du die aktuelle Besetzung?

Chris: Wir haben uns einen solchen Drummer (Anm.: Flavio Mezzodi) gewünscht, dass Du voller Vertrauen nach vorne zum Bühnenrand kannst. Er ist so gewachsen mit uns und ist der Traum-Drummer, denn wir immer haben wollten. Er wertet die Band extrem auf. Aufgrund der Rhythmustruppe können die Solisten wie Fernando von Arb und neu Mandy Meyer Ihre Soli so bringen. Das werdet Ihr am Donnerstag an der Baloise Session hören. Das wird ganz geil. Mandy Meyer wird sozusagen der verstorbene Tommy Kiefer ersetzen. Er bringt das gewisse Feeling, das wahnsinnig Melancholische. Aus diesem Grund ist es die beste Formation je. Dies sage ich nicht nur so dahin, sondern dies kann man hören.

schwarzeliste: Die Zusammenarbeit scheint ja gut zu sein und die Spielfreude sah man deutlich an den letzten Schweizer Gigs.

Chris: Es ist eine grosse Freude. Und dies hat oft mit dem Drummer zu tun, der unterschätzt wird. Der Drummer ist der heimliche Leader – Rock’N’Roll ist ein Rhythmus. Dann wird’s eine Party.

schwarzeliste: Und am Donnerstag gibt es die Party in Basel.

Chris: Ja, genau.

schwarzeliste: Deine Bandkumpels haben auch weitere Projekte, Stichwort Unisonic, wie haltet Ihr Euch die Zeit für Krokus frei – wie managt Ihr Euch?

Chris: Ja, das ist gut. Wir haben einen sogenannten Masterplan und Krokus hat immer Priorität. Das musst Du ein halbes Jahr vorher clever einteilen.

Frage von Sarah (schwarzeliste.ch-facebook): Hi. Ich habe mich mal kurz mit Chris von Rohr unterhalten und er hat mir erzählt, dass er so fasziniert sei, weil er an diesem Tag ein Wort gelernt hat, welches "die Sonne scheint durch einen Baum hindurch" beschreibt. (Dafür gibt es anscheinen ein einziges Wort!!! Und ich glaube Es war japanisch.) Ich möchte gerne wissen, wie dieses Wort nochmals hiess und woher er es hatte, denn das habe ich dann vergessen zu fragen. Grüsse, Sarah

Chris: Ich muss Sie insofern enttäuschen. Es gibt vier japanische Zeichen, die diesen Sachverhalt umschreiben. Ich könnte Dir diese Zeichen nicht notieren, müsste nachschauen. Es hat mich damals fasziniert, dass ein Wort dafür existiert. Ich muss leider passen, habe leider nicht mehr so ein gutes Gedächtnis (lacht). Da ich auch Bücher schreibe, bin ich ein Mann des Wortes und jongliere gerne mit Wörtern. Es freut mich, dass sich Sarah daran erinnert. Es war eine der witzigsten Gegebenheiten in diesem Jahr, dass mir dies jemand gelehrt hat.

schwarzeliste: Es ist ja schon länger her nach dem Buch Hunde wollt Ihr ewig rocken, mittlerweile hat sich sicherlich einiges Material angesammelt. Was hältst Du von neuen literarischen Ergüssen?

Chris: Mein Ziel ist es, alles bisherige, Bananenflanke, Hunde wollt Ihr ewig rocken und neu Erlebtes zu einer grossen Biographie zusammen vermischen und schreiben. Das könnte in zwei-drei Jahren soweit sein. Es gibt von den letzten 15 Jahren extrem viel Erlebtes und Witzigem, guten Stoff dafür. Ich bin froh, dass wir zusammen mit einem sehr guten Gefühl in den Rock’N’Roll-Sonnenuntergang reiten können.

Zuerst ist geplant ein Follow-Up auf Sternenstaub, eine Zusammenfassung von 40-50 Kolumnen als zweiten Bunch – Leben und Sterben im Disneyland Switzerland.

schwarzeliste: Stichwort „Hunde wollt Ihr ewig rocken“ – Du bist am 24. Oktober 63 Jahre geworden? In der Privat Wirtschaft geht man mit 65 Jahre in Pension. Wie handhaben es Personen mit dem Rockstar-Gen oder verlierst  Du keinen Gedanken darüber?

Chris: Mit Musik bist Du nie pensioniert. Ich werde vermutlich auf dem Todenbett mit der Akustik-Klampfe umher „sabbern“. Mit Bands musst Du aufhören wenn es abwärts geht. Wenn Du es spürst musst Du beenden. Man muss erkennen, die heutigen 60-jährigen sind die heutigen 50-jährigen. Ende.

schwarzeliste: ……. und ich hoffe, dass bleibt so.

Chris: Das bleibt so. Da kannst Du sicher sein (lacht).

schwarzeliste: Wenn Du nicht Musiker/Produzent geworden wärst, welchen Beruf oder Berufung würdest ausüben?

Chris: Keinen anderen. Irgendwann ist so gekommen. Es ist wie ein Virus gekommen, hast etwas am Radio gehört und Du wusstest es gibt kein anderer Beruf. Das ist der beste Beruf den es gibt. Der schönste auch.

schwarzeliste: Unser Eventportal schwarzeliste.ch entstammt der Region Schwarzbubenland (vor dem Passwang)? Hast Du einen Bezug zu diesem geographisch abgegrenzten Kantonsteil?

Chris: Für mich gibt es keine geographischen Grenzen – für mich gibt es Menschen woher auch immer. Hauptsache ich verstehe Sie. Ich bin zwar global, aber trotzdem sehr fürs Lokale. Darum bin ich kein Fan von EU und Grossgebilde – lieber habe ich die kleinen übersichtlichen Sachen.

 

Schwarzeliste - Hot or Hotter:

Basel oder Zürich? Chris: Zürich

Basler Fasnacht oder Herbstmesse? Chris: Ich bin kein Fasnacht-Typ und hört auf mit diesen Piccolos. Kommt ja nicht nach der Fasnacht damit nach Solothurn (lacht).

Big Brother oder Voice of Switzerland? Chris: Keines, nicht (lacht).

Mozart oder Wagner? Chris: Mozart

Beatles oder Rolling Stones? Chris: Es ist schwierig. Beatles für die Ewigkeit – stärkere Songs – Stones mehr Rock’N’Roll und geilere Shows.

Mötley Crüe oder Steel Panther? Chris: Mötley Crüe, ganz klar - Mötley Crüe ist das Original und Steel Panther die Kopie. Steel Panther spielen übrigens einen Song von uns – Eat the Rich – den wir am Donnerstag am Konzert spielen werden.

Christoph Blocher oder Willy Ritschard (selig)? Chris: Ich bin mit Christoph Blocher bekannt, war mehrmals privat bei Ihm. Kann nur sagen  - Freunde – öffnet Augen und Ohren. Schaut richtig hin was dieser Mann für die Schweiz bereits getan hat. Hört auf mit der Vorverurteilung – „do chum i Vögel über“. Schau, es ist nicht einfach mit dem Links und Rechts denken und dem Bullshit. Schaut, was läuft. Man könnte stundenlang debattieren. Christoph Blocher ist eindeutig wichtiger für die Schweiz.

Zelt oder Herberge? Chris: Herberge

Schokolade mit oder ohne Alkohol? Chris: Ohne (Anm.: er erhält eine Tafel der entsprechenden Wahl)

 

schwarzeliste: Chris, ich danke für das Interview und wünsche ein tolles Konzert am Donnerstag, 06. November 2014, an der Baloise Session.

Chris: Gern geschehen.

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